Digitales Leben in Balance bringen

Warum eine digitale Welt ohne Beziehungen scheitert

Die zwei Seiten im digitalen Berufs-  & Privatleben

Thema: Digitales Leben. Es gibt ja immer ein „und“, ein kleines Wörtchen welches oft gegensätzliche Pole innerhalb einer Sache deutlich macht. Keine Entwicklung kommt ohne dieses Wort aus. Nichts ist nur gut oder nur schlecht. Eine Sache beinhaltet „sowohl als auch“, es gibt ein pro und ein contra. Diese Erkenntnis passt mir nicht immer in den Kram. Wer kennt das nicht? „Ich liebe meine Hobbys und bin dafür aber zu wenig für meine Frau da“ oder um gleich zum heutigen Thema überzuleiten:  „Mein neuer PC ist super schnell und leider mache ich seitdem weniger Sport.“ Das möchte ich eigentlich nicht hören, wo gerade Sport für mich so wichtig ist. Aua! Es knirscht im Getriebe und führt zumindest bei mir persönlich immer wieder zu einer heilsamen Reibung zwischen zwei gegensätzlichen Entwicklungen einer Sache. In diesem Fall reibt sich der Homo Digitalis mit den eigentlich viel wichtigeren Bedürfnissen meines Inneren: Der Wunsch nach sozialen Beziehungen und realen Kontakten. Warum ich die immer wieder auftretende Reibung als heilsam betrachte, möchte ich später erklären. Das digitale Leben stellt mich also vor die Wahl: Beschäftige ich mich mehr mit Beziehungen und meinem Inneren oder gestalte ich Projekte im Außen. Manchmal beißt sich das. Für mich ist das nicht immer einfach zu entscheiden, denn die digitale Welt setzt sich gekonnt in Szene und versetzt gewisse Areale in meinem Hirn in einen glückseligen Zustand.

Meine Life-digitales Leben-Balance ist ungleichgewichtig

Aus diesem Grund sehe ich seit längerer Zeit genauer hin. Der glückselige Zustand hält nicht lange an und im Nachhinein zeigt sich oft, dass zuviel Medienkonsum genau das Gegenteil von dem bewirkt was ich eigentlich wollte: Entspannung, ein wohliges Gefühl kurzum Glückseligkeit. Stattdessen bin ich nervös, unruhig und fahrig.

Ich brauche die Nähe, die Bindung zu Menschen und mein digitales Leben als kreativer Webgestalter und Fotograf macht mir gleichzeitig sehr viel Freude. Das ist mein Ding! Die schnelle Entwicklung in der technischen Welt führt aber dazu, dass ich vor Begeisterung manchmal im Paralleluniversum des Web verschwinde. Der häufige Aufenthalt darin beschwert die digitale Schale meiner Waage und so ist die innere Balance dahin. Was ich an mir entdecke, zeigt sich vermutlich bei gut 70% der Menschheit. Ich denke, da müssen wir in Zukunft schon genauer hinsehen, sonst verlieren wir uns selbst und die Technik entwickelt ihr Eigenleben. Das ist fatal!

Digitales Leben – Genauer hinsehen ist eine moralische Verpflichtung

Künstliche Intelligenz wird beispielsweise in Zukunft unglaubliche Möglichkeiten bieten. In der Medizin, in der Gestaltung, in der Kunst und in der Kriegsführung, in der Entwicklung von biologischen Waffen sowie in Bereichen die ich mir lieber nicht plastisch vor Augen führen möchte. Wie beschrieben, bin ich geneigt und von jeher so gestrickt, dass ich als meist oberflächlicher Betrachter nur den Glanz einer Sache sehe. Ist ja spannend, denke ich mir. Irgendwie auch menschlich, aber je älter ich werde desto mehr wird mir bewusst, dass ich die moralische Verpflichtung habe genauer hinzusehen.

Gerade ich, oh mein Gott, denn ich liebe digitale Medien. Ich erstelle einfache Homepages, bin häufig bei Meta unterwegs und poste natürlich auch für mein Leben gerne. Zwar bin ich jetzt nicht der Typ der jede Mahlzeit oder jeden Toilettengang ins Internet stellt, trotzdem muss ich mir manchmal eingestehen, dass mein Handeln auch von Sucht und Ablenkung geprägt ist. Da existiert schon ein riesiges Einfallstor. Nochmal Aua! Und so ist nun auch die Idee für meinen Artikel entstanden.

Meine Tools für einen bewussteren Umgang mit Medien

Meine Erkenntnis ist in den Jahren glücklicherweise gewachsen, so bin ich überzeugt, auch im Zusammenhang mit unseren Kindern & Jugendlichen: Wir müssen dringend eine Art digitale Reflektiertheit entwickeln und auch die digitale Welt menschlicher machen. Ich kann darüber schreiben, weil ich es am eigenen Leib erfahren habe. Nur vor der Kiste zu Hängen macht krank, es verzerrt die Wahrnehmung und das wichtigste: Reale Beziehungen verkümmern zusehends. Tatsächlich habe ich einige Möglichkeiten gefunden diesen Trend für mich als nebenberuflicher Webdesigner und bekennender Internetjunkie zu normalisieren. Denn das Web, das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt, bietet natürlich unendlich viele und auch gute Möglichkeiten für jeden Einzelnen. Das ist das was mich fasziniert und daran möchte ich weiter arbeiten. Was ist mir also hilfreich?

Die digitale Entwicklung hat einen Mehrwert, wenn wir sie menschlicher gestalten, wieder mehr kommunizieren und nicht jedem Trend hinter her laufen.

O. Zenkner

Beziehungen aufbauen und pflegen – Kunden persönlich ansprechen

Erstens, oh ja, das rockt tatsächlich. Viel posten um kleine Geschäftsideen voranzubringen hilft nicht immer. Das versucht jeder, der eine mit mehr, der andere mit weniger Erfolg. Das ist ok und auch ich werde das weiter machen, allerdings anders, denn: Meine Erfahrung ist, dass es absoluter Unsinn ist, sich nur auf diese digitale Möglichkeit der Kundengewinnung zu beschränken. So bin ich raus, in die Stadt, ein kleiner Spaziergang und habe versucht Menschen in den für mich geeigneten Institution direkt anzusprechen. Dabei stellte ich fest, wie meine kommunikativen Fähigkeiten verkümmert waren. Wie stellt man sich vor? Wie leitet man zu seinem Anliegen, usw.. Das wieder zu trainieren hat mir erstaunlicherweise echt Spaß gemacht. Und jetzt kommts:

Ein kleiner Auftrag kam durch eine persönliche Begegnung zustande. Das vorherige posten war ohne Erfolg. Mein Benefit und Fazit: Ich werde weiterhin posten, ich möchte weiter gestalterisch unterwegs sein und technische Herausforderungen meistern, aber nur zur einen Hälfte. Die andere Hälfte brauche ich Ansprechpartner aus Fleisch und Blut, Menschen und Begegnungen, Telefonate und Austausch. Meine Wahrnehmung ist, dass es vielen so geht wie mir, deswegen mein Credo:

  • Technik nicht verteufeln, Internet, Web & Co weiter nutzen, aber weniger, gezielter und gewürzt mit einer persönlichen Begegnung.
  • Pausen machen und in die Weite sehen.
  • Maximale Arbeitszeit vor der Kiste festlegen.

Immer geht das natürlich nicht, aber da wo es geht sollte man es nutzen. Die analogen Fähigkeiten sollten wir wieder mehr trainieren, das ist fast schon zu einer politischen Notwendigkeit geworden. Krisen auf der Welt im Großen und Konflikte im familiären Umfeld im Kleinen entstehen, weil wir nicht mehr direkt und ohne Medien miteinander kommunizieren können. Mir ist schon klar, dass das Ganze klingt wie ein Art Abgesang auf die Medienwelt. Das ist es nicht, aber wie können nicht immer nur wachsen, expandieren und uns ausdehnen ohne nur ein Wort miteinander gesprochen zu haben! Wir sollten metamäßig auf uns sehen und uns fragen: Wo stehen wir denn eigentlich? Möchte ich eine Beziehung mit meinem PC aufbauen oder mit meinem Partner? Echt gruselig!

Weniger ist mehr – Digitales Leben minimalistisch!

Zweitens: Ich glaube nicht, dass ich immer die neueste Technik brauche. Weder beruflich noch privat. Ich bin so technikaffin und erfreue mich sehr an neuen Kameras, Computern und anderen technischen Geräten. Meine Meinung ist, dass auch meine Kunden nicht immer bis unter die Halskrause mit Technik vollgestopfte, technisch hoch aufgerüstete Internetseiten benötigen. So sehr ich das Know-How von IT-lern, Webdesignern, Influencern, Social-Media Begeisterten auch bewundere – und alles hat auch seine Berechtigung – aber es gibt Menschen die können mit dieser Technik nichts mehr anfangen, geschweige denn können Sie diese bedienen. Auch hier propagiere ich einen Schritt zurück. Zumindest bei den Personengruppen die trotz einer gewissen Skepsis mit diesen Medien zu tun haben wollen, aber aufgrund Ihres Alters, Ihrer Art der Tätigkeit, Ihrem Budget nicht mehr mithalten können. Das ist einfach ungerecht. Wir brauchen wieder einfache Angebote die für jeden praktikabel und realisierbar sind. Wenn technische Tools verwendet werden sollten wir deren Funktion und Anwendung erklären und auf die Basics herunterbrechen. Dann kann sich auch der vielleicht nicht so technikoffene Mensch an einer kleinen, schönen Internetseite erfreuen. Am Besten auch wieder in persönlicher Form, sonst ist wieder die Beziehung raus. Wenn wir überregional anbieten geht das selten, aber auch hier könnten wir zumindest telefonieren, skypen, uns Zeit nehmen für Gespräche.

Macht erst mal analog

Drittens und jetzt werde ich mich komplett unbeliebt machen: Die Reihenfolge wäre zu ändern! Der Klassiker: Immer wieder höre ich in den Medien unsere Schulen müssten digitaler werden. Da muss ich lachen! Das stimmt schon, aber die Reihenfolge ist verkehrt: Erst einmal müssen wir unsere menschlichen Fähigkeiten verbessern: Mehr miteinander sprechen, streiten lernen, egal in welchem Lebensbereich, Systeme in Frage stellen. Da ist ein riesiger Nachholbedarf! Dann können wir über die sogenannte Digitalisierung sprechen.

Es ist naiv zu glauben, das wir, egal welche Entwicklung im außen wir auch immer integrieren möchten, diese ohne Beziehung, ohne direkten Kontakt verwirklichen könnten.

O. Zenkner

Bottom up, heißt die Devise. Kontakten, direkt, ehrlich, menschlich und danach tolle technische und anderweitige Projekte entwickeln. Ich möchte das für soziale Einrichtungen, Naturschutzprojekte und anderweitige Anliegen tun. Ein ausgewogenes digitales Leben. Das ist manchmal anstrengend, aber es bereichert auch sehr! Ich möchte uns Mut machen um einen Schritt zurück zu gehen und digital abzuspecken, nicht jeder technischen Entwicklung unkritisch zu folgen. Ich wünsche mir mehr Menschlichkeit und möchte den Versuch wagen meine Arbeit genau so zu gestalten. Ganz nach Willi Brand der sagte: Mehr Demokratie wagen, sage ich: Mehr Beziehung wagen!

Schreibe einen Kommentar